Oberbürgermeister Ulrich Maly verzichtet auf weitere Kandidatur

  • von  Redaktionsteam
    11.03.2019
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Im März 2020 wird in Nürnberg - wie in allen bayerischen Kommunen - ein neuer Oberbürgermeister und Stadtrat gewählt. Amtsinhaber Ulrich Maly hat sich dazu entschieden, nicht mehr zu kandidieren und stattdessen einen Stabwechsel im Rathaus einzuleiten. Lest hier mehr über seine Beweggründe:

Statement von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly:

„Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, im nächsten Jahr nicht mehr zur OB-Wahl anzutreten. Mit der Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist aufzuhören, beschäftigte ich mich schon länger. Ich werde im Jahr 2020 18 Dienstjahre als Oberbürgermeister und 30 Jahre hauptberufliche Rathauspolitik hinter mir haben. Das ist mein halbes Leben und das ist sehr lange.

Menschen in Nürnberg müssen schon deutlich in den späten Zwanzigern sein, um sich überhaupt noch an einen anderen Oberbürgermeister erinnern zu können. Deshalb ist dieser Entschluss auch das Ergebnis einer kritischen Selbstreflexion. Ich habe immer versucht, mir eine gesunde Distanz zur vermeintlichen oder tatsächlichen Bedeutung des Amts zu bewahren. Dabei gab es immer den Vorsatz, rechtzeitig Platz zu machen und eben nicht am Amt zu kleben.

Leider ist ja nicht selten zu beobachten, wie die Seelenlage vieler Kollegen nach Jahren ordentlicher Arbeit und einer gewissen Popularität schleichend in „vermeintliche Unentbehrlichkeit“ übergeht. Die Beispiele dafür kennen sie alle. In den letzten Jahren sind dann häufig Lame-Duck-Phänomene und die unüberhörbare Sehnsucht danach, dass „der Alte“ endlich aufhört, eng beisammen. Das will ich mir, vor allem aber dem Rest der „Nürnberger Welt“ gerne ersparen.

Die Frage nach einer erneuten, dann vierten Kandidatur stellt sich auch nicht nach der Fitness am Wahltag im März 2020, sondern danach, was 2025 oder 2026 sein wird. Habe ich da noch die nötige Frische, mich inhaltlich für unsere Stadt täglich neu zu erfinden? Oder weiß ich eh alles besser? Habe ich da noch die Kraft und Gelassenheit für den glaubwürdigen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern oder habe ich eh alles schon einmal gehört?

Aber auch: Wäre im Jahr 2026 nach 24 Amtsjahren der Übergang im Rathaus leichter zu managen als jetzt? Und wenn ich schon selber finde, dass Generationswechsel immer zu spät kommen, was kann ich dann tun, dass es bei uns rechtzeitig erfolgt?

Natürlich streicheln gute Sympathiewerte meine Eitelkeit und – noch viel wichtiger – besorgen mich die derzeit schlechten Umfragewerte der SPD auf Bundesebene. Deshalb wurde auch mir gegenüber mit dem Unentbehrlichkeitsargument gewunken. Das ist ein süßes Gift, aber es bleibt ein Gift.

Niemand ist unentbehrlich in seinem Beruf und wenn man das als Oberbürgermeister glaubt, liegt man schon dramatisch falsch. Weder kann einer alles richten, noch ist meistens einer oder eine an allem schuld.

Meine gute alte SPD wird mit einer neuen verjüngten Aufstellung ihre gute und erfolgreiche Arbeit für Nürnberg fortsetzen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Stabwechsel ist, schon weil ich mir sicher bin, dass 2026 auf jeden Fall zu spät ist.“