Interview: Kerstin GardillÂ
Kerstin Gardill:Â Christian, lass uns ganz am Anfang beginnen: Wie kam es ĂŒberhaupt dazu, dass du dich fĂŒr Politik interessiert hast?
Christian Vogel: Das fing tatsĂ€chlich in der Endphase der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt an. Ich habe damals viel mit einem Lehrer diskutiert â der war CSU-Mitglied. Zuhause wurde immer Zeitung gelesen, Nachrichten geschaut. Mein Vater und mein GroĂvater haben SPD gewĂ€hlt, waren aber keine Mitglieder. Und bei mir ist irgendwann der Punkt gekommen, an dem ich gemerkt habe: Ich will nicht nur ĂŒber Politik reden â ich will selbst Politik machen.
Kerstin Gardill:Â Und dann bist du direkt in die SPD eingetreten?
Christian Vogel: (lacht) Ja â zumindest wollte ich das. Mein Vater und ich haben beschlossen, gemeinsam einzutreten. Mein Vater war damals sofort dabei, als ich es ihm vorgeschlagen hatte. Also bin ich ins Karl-Bröger-Haus gegangen, in den ersten Stock. Dort saĂ Erna MĂŒller, eine langjĂ€hrige Mitarbeiterin. Die hat mich angeschaut und gesagt: âBub, hast der des gut ĂŒberlegt?â Und dann kam der GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hans Makilla dazu â und stellte fest: Ich war erst 13. Mitglied konnte man damals aber erst mit 14 werden.
Kerstin Gardill:Â Also musste dein Vater vorlegen?
Christian Vogel: Genau. Mein Vater ist sofort eingetreten â und ich dann ein Dreivierteljahr spĂ€ter. So gingâs los.
Kerstin Gardill:Â Wie ging dein Weg in der Partei dann weiter?
Christian Vogel: Ich habe im Ortsverein Worzeldorf angefangen. Mein Vater war dort Werbeleiter, ich war mit Abstand der JĂŒngste. Die Sitzungen fanden im âSchwarzen Adlerâ statt â damals ein griechisches Lokal. Und bis auf zwei, drei Frauen waren das alles MĂ€nner. Das war eine ganz andere Zeit.
Kerstin Gardill:Â Und trotzdem hast du schnell Verantwortung ĂŒbernommen.
Christian Vogel: Ja, irgendwann wurde ich stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender. Der erste groĂe Einschnitt kam dann Mitte der 80er-Jahre. Damals hat mich Horst Schmidbauer, er war damals UB Vorsitzender, angerufen. Der Unterbezirk brauchte einen Schatzmeister ( das Amt gab es bis zu diesem Zeitpunkt nicht) â und er wollte bewusst einen JĂŒngeren. Das war fĂŒr mich der Einstieg in eine ganz andere Ebene von Verantwortung.
Kerstin Gardill: Gab es prÀgende Wegbegleiter?
Christian Vogel: Auf jeden Fall. Zu Hans Makilla hatte ich ein sehr enges, fast vĂ€terliches VerhĂ€ltnis. Aber auch Willy PrölĂ war fĂŒr mich damals wichtig.
Kerstin Gardill:Â 2003 wurdest du dann selbst Vorsitzender der NĂŒrnberger SPD. Wie kam es dazu?
Christian Vogel: GĂŒnter Gloser hat 2002 angekĂŒndigt, nicht mehr anzutreten. Er hatte eigentlich schon eine Nachfolge im Blick â aber ich habe mich auch entschieden, zu kandidieren. Ich habe die Ortsvereine angeschrieben, GesprĂ€che gefĂŒhrt. Und 2003 wurde ich dann gewĂ€hlt. Es war damals eine Bauchentscheidung von mir, ich habe es nie bereut.
Kerstin Gardill:Â Eine mutige Entscheidung.
Christian Vogel: Ja, aber es war auch eine gute Zeit. Die SPD hatte gerade wieder den OberbĂŒrgermeister gestellt, nach sechs Jahren Opposition. Es gab viele motivierte Genossinnen und Genossen â Aufbruchsstimmung. Es was eine wirklich tolles Miteinander- die SPD war wieder da.
Kerstin Gardill:Â Im selben Zeitraum hast du auch fĂŒr den Landtag kandidiert.
Christian Vogel: Genau, 2003 im NĂŒrnberger Norden, als Nachfolger von Renate Schmidt. Ich habe den Einzug damals knapp verpasst. Es war fĂŒr mich die erste groĂe Niederlage, es tat schon weh.  Aber das Interessante war: Am nĂ€chsten Morgen, kurz nach sieben, hat mich schon GĂŒnther Beckstein angerufen. Und kurz darauf auch Hans-Jochen Vogel. Mit ihm hatte ich vorher eine Veranstaltung organisiert: âVogel spricht mit Vogelâ.
Kerstin Gardill:Â Und was hat er dir gesagt?
Christian Vogel: âBleib dran. Die Sozis brauchen dich.â Das war ein Satz, der hĂ€ngen bleibt. Dier beiden Anrufe, aber auch der groĂartige Zuspruch in der Partei haben damals dazu gefĂŒhrt trotzdem bei der Stange zu bleiben.
Kerstin Gardill: Wenn man sich deinen Werdegang anschaut, fÀllt auf: Du hast immer Projekte sichtbar umgesetzt.
Christian Vogel: Das war mir wichtig. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann habe ich daran gearbeitet â Tag und Nacht. Ob das der Schriftzug am Karl-Bröger-Haus war, die Stele fĂŒr die verfolgten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die Umbenennung ins Max-Morlock-Stadion oder jetzt das Volksbad, da könnte ich jetzt noch vieles ergĂ€nzen, weil es fĂŒr mich einfach wichtig war, sichtbare Weichen zu stellen. Der springende Punkt (dsp) war auch so ein Beispiel, dass ich diese SPD Zeitung nach dem aus von âNĂŒrnberg Morgenâ wieder eingefĂŒhrt habe, macht mich heute noch glĂŒcklich. Alle Mitglieder gleichermaĂen mitnehmen war mir immer wichtig.
Kerstin Gardill: Was waren deine persönlichen Herzensprojekte?
Christian Vogel: Ganz klar: das Volksbad â und die NĂŒrnberger Feuerwehr. Die Entwicklung aller unserer Feuerwehren im Stadtgebiet,  das Konzept â das ist deutschlandweit etwas Besonderes. Auch der Tiergarten lag mir sehr am Herzen, letztlich ebenso SĂR. Ich war dankbar und froh eine solche Abwechslung in meinem GeschĂ€ftsbereich gehab t zu haben. Es war bis zum letzten Tag etwas besonders als BĂŒrgermeister fĂŒr diese Vielfalt in der Stadt Verantwortung tragen zu dĂŒrfen,
Kerstin Gardill:Â Ein Einschnitt war sicherlich das Jahr 2020. Viele haben erwartet, dass du als OberbĂŒrgermeister kandidierst.
Christian Vogel: Ich war damals Zweiter BĂŒrgermeister. Und als mir Ulrich Maly nach einer Referentenrunde gesagt hat, dass er nicht mehr antritt, lag diese Annahme nahe. Ich bin am Anfang schon auch etwas davon ausgegangen.
Kerstin Gardill:Â Und dann kam es anders.
Christian Vogel: Ja. Bei einem gemeinsamen Abendessen hat Uli Maly mir â gemeinsam mit Harald Riedl, Rainer PrölĂ und Anja PrölĂ-Kammerer âseine Idee , dass Thorsten Brehm als Kandidat geplant oder vorgesehen ist, mitgeteilt.
Kerstin Gardill:Â Wie war dein erster Gedanke?
Christian Vogel: (kurze Pause) Ab da war ich ruhig. Ich musste das sacken lassen. Ich habe dann mit Thorsten gesprochen der mir klar sagte er will Kandidat werden. Mit diesem Moment war das Thema fĂŒr mich erledigt. Der Parteivorsitzende hat das PrÀ und daran gab es fĂŒr mich nichts zu rĂŒtteln. Mir war Geschlossenheit immer wichtig, deshalb habe ich ohne Verdruss das auch akzeptiert.
Kerstin Gardill:Â Wenn du heute zurĂŒckblickst â was bleibt?
Christian Vogel: Viele Begegnungen. Viele Projekte. Und das GefĂŒhl, dass es sich gelohnt hat, dranzubleiben. Es waren 12 Jahre, die fĂŒr mich besonders waren. Ich konnte meine Heimatstadt mit meinen groĂartigen Kolleginnen und Kollegen weiter voranbringen. Wir haben unzĂ€hlige MaĂnahmen auf den Weg gebracht. MaĂnahmen, wo die BĂŒrgerschaft heute und auch morgen davon profitiert. Ich bin meinem Team dankbar, die mich hier stets unterstĂŒtzt hat. Ich bin aber auch meiner SPD dankbar, die mir das ĂŒberhaupt erst ermöglicht hat.

Bild: RĂŒdiger Löster
Bild: SPD NĂŒrnberg