Nürnberger Bildungsbericht 2025: Bildungsgerechtigkeit braucht eine starke Kommune

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Bildung ist mehr als Schule – sie beginnt in der Kommune

Bildung ist Kita, Schule, Berufs- und Erwachsenenbildung, Kultur, Sport und Jugendarbeit – und so viel mehr. Ob Bildung erfolgreich verläuft, entscheidet sich vor allem in der Kommune. Besonders im Zusammenwirken zwischen den Bereichen und in der Gestaltung von Übergängen liegt der Schlüssel dafür, ob Bildungswege gelingen und die Menschen in Nürnberg selbstbestimmt und gleichberechtigt teilhaben können.

Nicht alles ist in städtischer Zuständigkeit. Doch die Verantwortung für die Lebensbedingungen der hier lebenden Menschen begründet einen kommunalen Gestaltungsauftrag, der weit über formale Zuständigkeiten hinauswirkt.

Für die Nürnberger SPD ist die aktive Gestaltung der kommunalen Bildungslandschaft deshalb seit jeher ein kommunalpolitischer Schwerpunkt.

Diskussionsabend zum 7. Nürnberger Bildungsbericht

Der im Dezember 2025 veröffentlichte 7. Nürnberger Bildungsbericht war Anlass für einen angeregten Diskussionsabend im KBZ mit aktuell und ehemals politisch Verantwortlichen sowie zahlreichen Bildungsexpertinnen und -experten.

In seiner Einleitung stellte unser OB-Kandidat und Parteivorsitzender Dr. Nasser Ahmed die hohe Bedeutung fairer Bildungschancen für unsere demokratische Gesellschaft, für Integration und Zusammenhalt, Innovation und soziale Gerechtigkeit heraus.

Mit Blick auf seinen eigenen Werdegang machte er den Anspruch der SPD deutlich: Jedes Kind soll Begleitung und Unterstützung erhalten, um seine Potenziale zu entfalten und ein selbstbestimmtes Leben in voller Teilhabe führen zu können.

Datengestütztes Bildungsmanagement als kommunale Aufgabe

Elisabeth Ries, Jugend- und Sozialreferentin der Stadt Nürnberg und ehemalige Leiterin des städtischen Bildungsbüros, unterstrich die Verantwortung der Kommune.

Das unter OB Dr. Ulrich Maly eingerichtete Bildungsbüro sammelt und analysiert systematisch Daten zur Bildung in Nürnberg – von Angeboten und Inanspruchnahme bis hin zu Wirkungen und Ergebnissen – und leitet daraus bereichsübergreifende Empfehlungen ab.

Der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist seit dem „PISA-Schock“ 2001 bekannt. Auch der aktuelle Nürnberger Bildungsbericht zeigt weiterhin deutliche Unterschiede zwischen belasteten und privilegierteren Stadtteilen – etwa bei Übergängen auf weiterführende Schulen.

Heterogenität, Integration und neue Herausforderungen

Das Bildungssystem – von den Kitas bis zur Weiterbildung – ist von enormer Heterogenität geprägt. In jüngeren Altersklassen liegt der Migrationsanteil bei über 70 Prozent. Unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen und familiäre Hintergründe stellen pädagogische Fachkräfte vor große Herausforderungen.

Hinzu kommen:

  • gestiegene psychische Belastungen seit der Corona-Pandemie
  • höhere Anforderungen an inklusives Lernen
  • sich wandelnde Anforderungen in Ausbildung und Beruf

„Es braucht sprichwörtlich das ganze Dorf, um Kinder zu bilden“, resümiert Elisabeth Ries.

Sie betont die Bedeutung angstfreier Lernformen – etwa die SPD-Initiative „Nürnberg Exenfrei“ – sowie die Stärkung non-formaler Bildungsorte wie Kinder- und Jugendhäuser, Aktivspielplätze, kulturelle Bildung und Bewegung.

Bildungsgerechtigkeit in den Stadtteilen stärken

Altoberbürgermeister Dr. Ulrich Maly machte deutlich, welchen Mehrwert das datengestützte Bildungsmanagement für Nürnberg gebracht hat.

Erst durch die systematische Analyse von Übergangsquoten in einzelnen Stadtteilen wurde sichtbar, wo gezielt gefördert werden muss. Die Verknüpfung von Bildungsförderung und sozialräumlicher Entwicklung hat zahlreiche Projekte ermöglicht, die Schule und außerschulische Angebote enger miteinander verbinden.

Dr. Anja Prölß-Kammerer, schulpolitische Sprecherin der SPD-Stadtratsfraktion, verwies zudem auf die finanzielle Belastung der Kommune durch eigene Schulen. Eine bessere Refinanzierung durch den Freistaat Bayern würde Spielräume eröffnen, um gezielt in mehr Bildungsgerechtigkeit zu investieren.

Digitale Bildung und Medienkompetenz als Zukunftsaufgabe

Digitalität war ein zentrales Thema der Diskussion.

Klaus Lutz, Geschäftsführer des Medienzentrums Parabol, berichtete, dass sich viele Jugendliche ein eigenes Schulfach „Digitale Bildung“ wünschen. Neben technischem Verständnis sei insbesondere Reflexionskompetenz entscheidend – gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz.

Sprachkompetenz bleibt dabei Schlüsselqualifikation: Nur wer komplexe Inhalte versteht und einordnen kann, kann souverän an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen.

Auch die Begleitung durch Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen im digitalen Raum stellt neue Anforderungen. Intergenerationelles Lernen gewinnt an Bedeutung.

Sport, Bewegung und non-formale Bildung

Bastian Doreth, ehemaliger Basketball-Nationalspieler und Vorstand der Nürnberger Falcons e. V., betonte die Bedeutung von Sport und Bewegung als Grundlage für Lernen und Entwicklung.

Zugänge zum Sport müssen niedrigschwellig und für alle Kinder möglich sein – besonders dort, wo Familien organisatorisch oder finanziell an Grenzen stoßen. Digitale Lösungen, etwa bei Hallenbuchungen, können Transparenz und Effizienz verbessern.

Demokratiebildung und Beteiligung junger Menschen

Auch Demokratiebildung stand im Fokus.

Das städtische Programm „Laut!“ bindet Jugendliche aktiv in kommunale Entscheidungsprozesse ein. Entscheidend ist, dass Anliegen junger Menschen schnell umgesetzt werden, damit sie demokratische Wirksamkeit erleben.

Demokratiebildung bedeutet auch Haltung zu zeigen – für Menschenrechte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Fazit: Bildung braucht eine solidarische Stadtgesellschaft

Die Diskussion machte deutlich: Gute Bildung entsteht nicht durch einzelne Institutionen, sondern durch das Zusammenwirken einer ganzen Stadt – Politik, Fachleute und Zivilgesellschaft.

Es braucht:

  • eine armutssensible Finanzierung
  • stärkere Verzahnung der Angebote
  • mehr Investitionen in Bildung
  • Räume für Begegnung und demokratischen Diskurs

Der Nürnberger Bildungsbericht ist dabei ein wichtiges Instrument, um Mittel gezielt einzusetzen und Benachteiligungen faktenbasiert zu bekämpfen.

Gefragt sind keine Einzelkämpfer, sondern abgestimmtes, verantwortungsvolles und engagiertes Handeln für mehr Bildungsgerechtigkeit in Nürnberg.

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Elisabeth Ries

Berufsmäßige Stadträtin (Sozial- und Jugendreferentin)
Beisitzerin im Vorstand der SPD Nürnberg

 

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Kein Alt-Text zur Verfügung gestellt. Bild: Oliver Schitthelm

Diana Liberova

Beisitzerin im Vorstand der SPD Nürnberg
Stadträtin

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